INTRO IRIS WEIRICH  
       
    INTRO  
       
    EINE HOMMAGE AN DAS GEHEIMNISVOLLE IN DER WELT  
    Über die Fotokunst von Iris Weirich  
       
    Meine großen Vorbilder finden sich hinter der Filmkamera. Inspiriert von der gemäldeartigen   
    Bildkomposition in Filmen von David Lynch, Peter Greenaway, Federico Fellini, Luchino  
    Visconti, Alain Resnais und Pedro Almodóvar, begann ich Anfang der 90-er Jahre zu  
    fotografieren, mit dem Wunsch, filmische Atmosphäre in Fotos auszudrücken, damals, vor  
    Anbruch des digitalen Zeitalters, noch ausschließlich mithilfe kombinierter und größtenteils  
    auch selbst mit transparenten Farben bemalter Fotofilter.  
       
    Filmische Imagination war schon immer Teil meines Lebens. Wenn meine Mutter, eine  
    Schauspielerin, mir Geschichten erzählte oder vorlas, so war das für mich gleichzeitig auch  
    ein visuelles Erlebnis: ich stellte mir dazu lebende Bilder vor.  
    Meine Kindheit in einer unkonventionellen Theaterfamilie und meine damalige Obsession für  
    selbst erdachte, absurde Rollenspiele, waren der Nährboden für meine skurrile Phantasie  
    und haben mir zu einem ausgeprägten Sinn für theatralische Wirkung verholfen.  
       
    Mein Interesse an der Fotografie besteht nicht darin, die direkte Realität abzubilden, sondern  
    sie der absoluten Wirklichkeit zu entrücken, meinen Bildern durch Verfremdung des Gesehenen  
    eine rätselhafte Dimension zu verleihen.  
       
    David Lynch sagte einmal in einem Interview, er könne sich selbst im Kaffeeschaum verlieren  
    mit einer Kameraeinstellung. Besser könnte ich meine eigene Begeisterungsfähigkeit beim  
    Fotografieren nicht formulieren. Es macht mir Spaß, kleine künstliche Welten zu erschaffen  
    und ihre Geschichten in Fotobildern zu erzählen.  
       
    Kunst bedeutet für mich Grenzüberschreitung und Überhöhung, ist eine Hommage an das  
    Geheimnisvolle in der Welt.  
       
    Ganz besonders interessiert mich der Bereich der inszenierten Fotografie. Durch das  
    Zusammenspiel von filmischen, theatralischen, malerischen und erzählerischen Elementen  
    entsteht beim Fotografieren und der anschließenden Nachbearbeitung ein eigenes Universum.  
    Für mich ist es sehr inspirierend, dass meine Fotos oftmals mit Gemälden assoziiert werden,  
    denn was mich an der digitalen Fotobearbeitung am meisten reizt, ist die Möglichkeit, Effekte  
    zu erzielen, die man normalerweise nur in der gestalterischen Freiheit der Malerei erwartet.  
       
    Text: Iris Weirich, 2011  
    © Iris Weirich, 2011